AOK Sachsen-Anhalt: EKOVO ohne Bindung an einen Dienstleister wird ab 01.10.2010 eingeführt

Posted on 8. September 2010

0


Wie Herr Kai Decker-Conradi von der Firma Optica mitteilt, könnte der Durchbruch zu einem auch für die Leistungserbringer fairen Verfahren zur Durchführung des elektronischen Kostenvoranschlags erreicht sein:

Die AOK Sachsen-Anhalt hat bestätigt, dass dort zum 01.10.2010 der elektronische Kostenvoranschlag (EKOVO) eingeführt wird. Interessant daran ist, dass die AOK keinen bestimmten Dienstleister für die Datenanlieferung vorschreibt und selbst keine Bearbeitungsgebühren für das elektronische Kostenvoranschlagsverfahren erheben will.

Bisher sind seitens der AOK vier zertifizierte Dienstleister benannt: Neben der mit Firma Optica kooperierenden medicomp GmbH sind dies azh, wheel-it AG und optadata. Darüber hinaus kann auch direkt über die Internetplattform der AOK eingereicht werden.

Die AOK Sachsen-Anhalt zählt zusätzlich eine Reihe von Punkten auf, die aus ihrer Sicht von Vorteil für die am EKOVO teilnehmenden Leistungserbringer sind:

  • Abschließende Bearbeitung eingehender elektronischer Kostenvoranschläge innerhalb von 48 Stunden nach Eingang der vollständigen Unterlagen.
  • Bewerbung des Servicevorteils der am EKOVO teilnehmenden Leistungserbringer gegenüber den Versicherten (z. B. im Rahmen der Kundenberatung); geplant sind auch Berichte in Mitgliedermedien, lokalen Zeitungen sowie eine Teilnehmerübersicht im Internet.
  • Bereitstellung des elektronischen Rücklaufs mit der nächsten Software-Aktualisierung. Perspektivisch soll im Laufe des Jahres 2011 ein papierloses Antragsverfahren etabliert werden. Die Teilnahme an diesem Verfahren ist aber nur den Leistungserbringern möglich, die mindestens drei Monate erfolgreich am EKOVO teilgenommen haben.
  • Verkürzung der Zahlungsziele  in der Zeit vom 01.10.2010 bis zum 31.12.2010 für die Abrechnung aller über das EKOVO Verfahren genehmigten Kostenvoranschläge auf 14 Tage.

Auch wenn die Einzelheiten der Regelung sicherlich noch durch die Verbände der Leistungserbringer geprüft werden müssen, ist das Bestreben der AOK Sachsen-Anhalt ausdrücklich zu begrüssen, den elektronischen Kostenvoranschlag partnerschaftlich umzusetzen, zumal die Regelungen nicht an den Abschluss von für die Leistungserbringer wichtigen Verträgen gekoppelt sind und hierdurch die Marktmacht der AOK nicht für die Einführung des EKV eingesetzt wird.

Damit grenzt sich die AOK deutlich von der Verfahrensweise insbesondere der Barmer-GEK ab, die einseitig einen Dienstleister vorschreibt und den Abschluss wichtiger Verträge davon abhängig macht, dass die Leistungserbringer die erheblichen Gebühren für die Nutzung des EKV akzeptieren.

Die AOK Sachsen-Anhalt setzt hier ein Zeichen für ein Vertragsmanagement im partnerschaftlichen Dialog auf Augenhöhe mit den Leistungserbringern; andere Kassen sollten diesem Beispiel folgen.

Weitere Einzelheiten zur AOK Sachsen-Anhalt finden Sie unter:

www.aok-gesundheitspartner.de/san/hilfsmittel/datenaustausch/ekovo/index.html

Aktualisierung: Nach Aussage des Landesinnungsmeister des Landes Brandenburg, Herrn Frank Kunz, ist auch die AOK Berlin-Brandenburg bereit, in ähnlicher Form zu verfahren wie die AOK Sachsen-Anhalt.

Den Internetseiten der AOK Berlin-Brandenburg lässt sich entnehmen, dass man dort mit MIP-eKV arbeitet.

www.mip-ekv.de/TYPO3/index.php?id=331

Weiterhin wird auf die Firma Medicomp GmbH und Schnittstellen zu einer Reihe von Branchenlösungen verwiesen:

https://www.mip-ekv.de/TYPO3/index.php?id=32

Aktualisierung (21.09.2010):

Gegenüber der Landesinnung Sachsen-Anhalt für Orthopädieschuhtechnik erklärte die AOK Sachsen-Anhalt konkret noch Folgendes:

Die Krankenkasse werde die Teilnahme am EKOVO Verfahren nicht zwingend vorschreiben. Es kann also auch weiterhin in Papierform gearbeitet werden, allerdings nur solange, bis der Gesetzgeber das elektronische Verfahren ausdrücklich vorschreibt.

An Kosten für die Durchführung des EKOVO-Verfahrens falle an:

  • Kosten für die Anschaffung der erforderlichen Hard‐ und Software (soweit nicht schon vorhanden)
  • Kosten für die Einrichtung einer entsprechenden Schnittstelle in der jeweiligen Branchensoftware des Leistungserbringers, soweit nicht schon vorhanden
  • Kosten für die Datendurchleitung zur Krankenkasse

Im Unterschied zu anderen Krankenkassen wird die AOK Sachsen‐Anhalt aber alternativ eine völlig kostenlose, internetbasierte Anwendung zur Verfügung stellen, bei der alle KV ‐ Daten online direkt in eine Erfassungsmaske eingetragen werden können. Dies bedeutet zwar auch doppelte Arbeit, da der Leistungserbringer dieselben Daten noch einmal für seine eigenen Unterlagen erfassen muss. Für Leistungserbringer, die kein allzu hohes KV‐Aufkommen haben oder die sich, z.B. aus Altersgründen, die notwendige Technik nicht mehr anschaffen wollen, ist dies aber eine Möglichkeit, doch am EKOVO ‐ Verfahren teilzunehmen.

Nähere Informationen erhalten Sie hierzu auch bei der

Landesinnung Sachsen-Anhalt

Für Orthopädie – Schuhtechnik

Jakobsstraße 5/6

06618 Naumburg

Telefon (03445) 266134

Telefax (03445) 203165

E-Mail: info@landesinnung-sa.de