Fall Kachelmann: Neuer Verteidiger Johann Schwenn hat sich schon zu Wort gemeldet

Posted on 30. November 2010

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© Jürg Adler / pixelio.de

Im aktuellen Heft des Magazins „Cicero“ für den Monat Dezember 2010 äussert sich der neue Verteidiger des Wettermoderators Jörg Kachelmann, Rechtsanwalt Johann Schwenn, Hamburg, zu dem Prozess (Klick).

Und die Äusserungen lassen darauf schliessen, dass es ab dem nächsten Verhandlungstag im Landgericht Mannheim anders zugehen wird als bisher – eine Terminsverlegung ist übrigens nicht vorgesehen, die Verteidigung fühlt sich „gut vorbereitet“.

Offensichtlich stehen die Zeichen in Mannheim nun auf „Attacke“…

Die Kernthesen von Johann Schwenn:

  • Vom mutmaßlichen Opfer zum mutmaßlichen Täter ist der Weg nicht weit.
  • Im Kachelmann-Prozess kämpft die Staatsanwaltschaft für die Verurteilung des Angeklagten Seite an Seite mit Alice Schwarzer, die sich zuvor mit der Bild-Zeitung verbündet hatte – und dies gegen die angebliche neue Pest unserer Tage: den sexuellen Missbrauch.
  • Das Verfahren der Staatsanwaltschaft beruht einzig und allein auf dem Versuch der Demontage des Angeklagten, und die Richter der Strafkammer haben sich dem angeschlossen.
  • Es besteht die Gefahr, dass der private Traumatherapeut des mutmasslichen Opfers die Möglichkeit erhält, sich zum Sachverständigen aufzuspielen, wobei Traumatherapeuten entweder dazu beitragen, falsche Aussagen zu generieren oder sie durchzuhalten; Schwenn zitiert den Psychiaters Klaus Dörner: „Die posttraumatische Belastungsstörung ist ein interessengeleitetes Modekonstrukt, an dem Sie Ihre Patienten nach Möglichkeit vorbeisteuern sollten.“
  • Die Unvernunft des Vorsitzenden der Strafkammer zeigt sich in der Weigerung, die Nebenklägerin über ihr Recht zu belehren, keinerlei Angaben zur Sache zu machen, obwohl das Oberlandesgericht Karlsruhe den Haftbefehl aufgehoben hatte, weil auch eine Falschbezichtigung des Angeklagten in Betracht kam.
  • Sich selbst hielt das Gericht mehrmals nicht für befangen – trotz nachgeschobener Erklärungen des Vorsitzenden -, lehnte aber gleichzeitig den wegen seiner überlegenen Sachkunde und seines unbestechlichen Urteils bei Gerichten und Staatsanwaltschaften aller Instanzen geachteten rechtsmedizinischen Sachverständigen Professor Bernd Brinkmann aus Münster ab. Dieser war zu dem Ergebnis gekommen, dass die Verletzungen der Nebenklägerin nicht von fremder Hand herrühren konnten, wodurch die Illusion, man habe es hier mit einem Fall von Aussage gegen Aussage zu tun, sich erledigt hatte: aufgrund dieses Gutachtens hätte der Strafkammer noch nicht einmal mehr zur Gesichtswahrung für Gericht, Staatsanwaltschaft und Nebenklage zu einem Freispruch nach dem Grundsatz in dubio pro reo kommen können.
  • Für die Staatsanwaltschaft Mannheim steht mehr auf dem Spiel als ein Gesichtsverlust, denn wenn der Angeklagte freigesprochen wird, muss das Gericht ihm das Recht auf Entschädigung für die erlittene Freiheitsentziehung zusprechen – und für die Vernichtung seiner Reputation, die ihm die Staatsanwälte durch ihr bloßstellendes und dilettantisches Herumermitteln zugefügt haben, müsste das Land Baden-Württemberg einstehen.
  • Die Nebenklägerin braucht in keinem Fall eine Strafverfolgung zu zu fürchten, denn zuständig für deren Verfolgung wäre doch bloß wieder die Staatsanwaltschaft Mannheim.
  • Allein die Staatsanwaltschaft ist für das mit der Festnahme Kachelmanns verbundene Aufsehen und das öffentliche Breittreten seiner sexuellen Vorlieben verantwortlich.

Das sind starke Worte des von nun an in dem Verfahren tätigen Verteidigers. Da jetzt die die Stellungnahmen der Sachverständigen erwartet werden, müssen diese mit heftigem Gegenwind rechnen. In den bisherigen Verfahren, die Rechtsanwalt Schwenn führte, zeigte er sich jedenfalls immer gut vorbereitet – und hier hat er dies sogar ausdrücklich angekündigt.

Und Lars Torben, der Staatsanwalt mit der Affinität zur Presse, sollte sich ziemlich warm anziehen, denn als Feindbild scheint er auserkoren; ich an seiner Stelle hätte in Erwartung des nächsten Verhandlungstages eine unruhige Nacht vor mir…

Man kann davon ausgehen, dass es vorbei ist mit der Friedlichkeit in Mannheim – und die Öffentlichkeit dürfte für das Gericht auch nicht mehr so einfach auszusperren sein wie in den letzten Wochen.

Ob dies im Ergebnis alles

  • der Wahrheitsfindung dient und/oder
  • zu einer Verurteilung/einem Freispruch führt?

Keiner weiss es…

Photo: www.pixelio.de

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