Falschabrechnungen: Angeblicher Milliardenschaden

Posted on 25. August 2011

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© Gerd Altmann / pixelio.de

Keine Sorge, hier ist nicht die Rede von der Orthopädie-Schuhtechnik, sondern es werden einmal andere Leistungsbereiche beleuchtet.

Schwere Vorwürfe gegen die Apotheken erhebt der AOK-Bundesverband in einer Pressemitteilung vom 19.08.2011. Danach dürften bundesweit „mehrere tausend Apotheken Medikamente zu Lasten der AOK abgerechnet haben, die nachweislich nicht auf dem Markt waren. … Nach Angaben der AOK sind allein im Juni mehr als 30.000 Fälle bekannt geworden, in denen Rezepte mit einem derzeit nicht am Markt befindlichen anderen Medikament bedruckt und abgerechnet wurden.“ Konkret handelt es sich um den Wirkstoff Metoprolol, einem Blutdrucksenker.

Während der AOK-Bundesverband die Spitze eines Eisberges sieht, wird der Vorwurf vom Deutschen Apothekerverband entschieden zurückgewiesen. Dieser sieht die Schuld bei den Rabattverträgen der Kassen. Danach müssen die Apotheken versorgen, auch wenn das im Rabattvertrag geregelte Medikament noch nicht vorrätig ist. Versorgt wird dann in aller Regel mit einem wirkstoffgleichen Medikament.

Hellhörig macht zusätzlich, dass ähnliche Berichte über Klinikrechnungen durch die Presse gingen. So berichtet der GKV-Spitzenverband, dass sich knapp die Hälfte aller geprüften Klinikrechnungen als falsch herausgestellt hätten, woraus ein Schaden von bis zu 1,5 Milliarden Euro entstanden sei. Besonders auf die Palme bringt dabei die Kassenvertreter, dass dies, außer der Rückzahlung des zu viel erhaltenen Geldes, keine ernstzunehmenden Konsequenzen für die betroffenen Kliniken hat.

Lässt man dies auf sich wirken, kommt man zu dem Eindruck, dass hier das Wirtschaftlichkeitsgebot mit Füßen getreten wird. Während die kleineren Leistungserbringerbereiche mit Formvorschriften und überzogenen Bußgelddrohungen drangsaliert werden, scheinen die großen Ausgabenblöcke relativ unbehelligt zu bleiben.

Bernd Rosin-Lampertius
Geschäftsführer GO GmbH