BIG direkt gesund: Warum sich das antun? (Update)

Posted on 22. September 2011

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© pauline / pixelio.de

Der  heutige Artikel der GO GmbH zur Bundes Innungskasse Gesundheit (die sich selbst tatsächlich „BIG direkt gesund“ nennt):

Die BIG, was für Bundes Innungskrankenkasse Gesundheit steht, verfügt nach einem selbst in Auftrag gegebenem Rankingbericht über einen Marktanteil von 0,5%. Das Geschäftsgebiet der BIG, mit Rechtssitz in Berlin und Verwaltungssitz in Dortmund, umfasst die gesamte Bundesrepublik. Zwar wird die BIG in dem genannten Bericht der ASSEKURATA Assekuranz Rating-Agentur GmbH über den grünen Klee gelobt, aber irgendwie kommt einem das Sprichwort „wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing“ in den Sinn.

Denn komischerweise kam die Stiftung Warentest im August letzten Jahres zu einem ganz anderen Ergebnis:

„Mein Anliegen wurde höflich, aber bestimmt abgelehnt. Es wurde nicht der Versuch unternommen, auch nur eine meiner Fragen zu beantworten. Ich erhielt kein Informationsmaterial.“ So fasst ein Testkunde von Finanztest das Ergebnis einer Anfrage bei seiner Kasse, der Big direkt gesund, zusammen. Diese Krankenkasse belegt im Krankenkassen-Praxistest von Finanztest den letzten Platz.“

Die Leistungserbringer im Bereich der Orthopädie-Schuhtechnik haben aber noch andere Gründe, die Aussage der Stiftung Warentest für die zutreffende zu halten. Seit Jahren versucht nämlich die BIG den Betrieben einen ursprünglich regional begrenzten Vertrag aufzudrücken. Nicht nur, dass dieser bei Einlagen unter den Festbeträgen liegt, basiert er in der PG 31 auf Grundlagen aus dem Jahr 2005 zu denen heute nicht mehr wirtschaftlich versorgt werden kann.

Rechnen nun die Betriebe im Vertrauen auf Festbeträge und vermeintliche Genehmigungsfreigrenzen direkt ab, nehmen sie an einer Art Lotterie teil, bei der es keinen Hauptgewinn gibt. Hat der Betrieb dann den Trostpreis gezogen, bekommt er zumindest die BIG-Preise bezahlt. Hat er eine Niete gezogen, bekommt er seine Leistung aufgrund fehlender Vertragsbeziehung gar nicht erst bezahlt.

Zwar hat die BIG auf die Aufforderung der Innung Nord unter Bezugnahme auf das BVA-Rundschreiben Vertragsverhandlungen aufzunehmen mit dem Hinweis auf die zeitnahe Ankündigung von Vertragsabsichten reagiert, aber den Worten keine Taten folgen lassen.

Ein Schelm, wer Böses bzw. Verschleppung dabei sieht.

Es stellt sich daher die Frage, ob sich die Betriebe das wirklich antun müssen, bei einer Kasse, deren Marktanteil sich im mikroskopischen Bereich bewegt. Nicht nur, dass die Preise kaum kostendeckend sein dürften, ist es den Ärger und den bürokratischen Aufwand eigentlich nicht wert. Aber vermutlich wird sich diese Mini-Kasse erst bewegen, wenn sie spürbare Schwierigkeiten bekommt, ihre Versicherten zu versorgen.

In jedem Fall empfiehlt es sich aber, Versicherte der BIG direkt gesund nur noch nach genehmigtem Kostenvoranschlag zu versorgen, wenn man nicht durch eine andere Konstellation Vertragspartner ist.

Als abschließende Pointe sei noch darauf hingewiesen, dass die BIG im Jahr 1996 durch die Bundes- innung der Hörgeräteakustiker, und vermutlich nicht mit dem Ziel, Gesundheitshandwerker zu drang- salieren, gegründet wurde.

Bernd Rosin-Lampertius
Geschäftsführer GO GmbH

Update:

Die Angelegenheit ist weiter gegangen, wie Herr Rosin-Lampertius mitteilt:

Es ist ein Gebot der Fairness, darüber zu informieren, dass wesentliche Punkte der Kritik an der BIG im letzten GO-Rundschreiben nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen. Wenige Tage zuvor hat nämlich die BIG den monierten Vertrag zum 31. Oktober 2011 gekündigt. Insofern ist natürlich das Drängen der BIG nachvollziehbar und berechtigt, dass nun die aktuelle Situation korrekt dargestellt wird.

Bis Ende Oktober besteht aber noch ein Vertrag, vom dem abzuweichen die BIG keinerlei Möglichkeit sieht. Dabei sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass dieser Vertrag bei den Einlagen Preise vorsieht, die unterhalb der Festbeträge liegen. Desweiteren legt die BIG Wert darauf, dass alle Versorgungen in der Produktgruppe 31 und der Produktgruppe 08 genehmigungspflichtig sind, wobei jedoch ausdrücklich auf die Möglichkeit des elektronischen Kostenvoranschlags (eKV) verwiesen wird. Dies wird sich auch in absehbarer Zeit nicht ändern.

Für den eKV bietet die BIG bereits seit April 2011 einen vereinfachten elektronischen Weg an. Kostenvoranschläge können über die Beschaffungsplattform ZHP.X3 eingereicht werden. Diese unterstützt und verarbeitet auch durch andere Systeme eingereichte elektronische Kostenvoranschläge.

Ändern wird sich jedoch ab November die Preisstruktur. So werden dann bei den Einlagen die aktuellen Festbeträge angewandt sowie bei der Produktgruppe 31 der jeweils ortsübliche Preis auf Basis der Einzelpositionen der PG 31. Aktuelle Details können dazu unter http://www.big-direkt.de/geschaeftspartner.html abgerufen werden.

Darüber hinaus beabsichtigt die BIG demnächst Vertragsabsichten zur Produktgruppe 31 zu veröffentlichen. Der genaue Zeitpunkt ist aber noch nicht absehbar.
Es ist natürlich sehr zu begrüßen, dass die BIG von sich aus einen unhaltbaren Vertrag gekündigt und sich auf das Fach zubewegt hat. Und natürlich ist es für die BIG misslich, unmittelbar danach mit einer massiven Kritik konfrontiert worden zu sein.

Allerdings wurde nun einmal eine aus Leistungserbringersicht „unfreundliche“ Geschäftspolitik über Jahre hinweg praktiziert, was häufig Anlass zu Unmut war, so dass die BIG auch einmal eine etwas zugespitzte Kritik aushalten muss. Wie auch immer: Der erste Schritt ist gemacht und der Gesprächsfaden wurde aufgenommen. Hoffentlich zum Wohle desjenigen, dem wir letztlich alle dienen: dem betroffenen Versicherten.

Bernd Rosin-Lampertius
Geschäftsführer GO GmbH