Der Gauck soll erst einmal seine persönlichen Verhältnisse in Ordnung bringen…

Posted on 24. Februar 2012

2


© Gerd Altmann / pixelio.de

… so tönte es aus dem bayerischen Niemandsland kurz nach der Einigung der Politik auf den neuen gemeinsamen Kandidaten für das Bundespräsidentenamt. Ein Hinterbänkler aus dem Bundestag, der CSU-Abgeordnete Norbert Geis, hielt es für dringend nötig, Joachim Gauck dümmliche Ratschläge zu erteilen:

„Ich halte Herrn Gauck für einen guten Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten. Als Bundespräsident ist er jedoch nicht mehr nur Privatperson, sondern Repräsentant des ganzen Volkes. Es ist sehr wünschenswert, dass der Bundespräsident eine breite Akzeptanz in der ganzen Bevölkerung findet….“

…und deswegen sollte Gauck seine „wilde Ehe“ mit der Journalistin und angesehenen Ressortchefin der „Nürnberger Zeitung“ durch Heirat legalisieren. (Klick)

Der bayerische Provinzler Geis war schon des öfteren aufgefallen, durch manchmal skurrile, oft peinliche und das ein oder andere Mal äusserst ärgerliche Querschüsse: 1993 war ihm ein Auftritt von Popstar Madonna zu obszön, deswegen sollte sie ein Auftrittsverbot „zum Schutze der öffentlichen Ordnung“ erhalten. Terrorverdächtige wollte Geis notfalls ohne Prozess einsperren – Guantanamo lässt grüssen -, auch die „gezielte Tötung eines potentiellen Aggressors“ fand er nachdenkenswert. Eher niedlich zu nennen war da seine Forderung nach bewaffneten Zugbegleitern.

Richtig übel wurde es allerdings, als er Homosexualität als Fehlentwicklung bezeichnete, Schwule als pervers brandmarkte und schon mal von einer „durchrassten Gesellschaft“ sprach.

Der zurückgetretene Bundespräsident Christian Wulff dagegen konnte sich zumindest noch im letzten Dezember der Unterstützung von Geis sicher sein. Dies verwundert allerdings, denn da scheint der Katholik Geis wohl nicht mitbekommen zu haben, dass der Ex-Bundespräsident Wulff kirchlich-katholisch verheiratet ist – allerdings nicht mit seiner derzeitigen Ehefrau, sondern mit deren Vorgängerin, mit der Herr Wulff auch Kinder hat. Sollten wir Herrn Geis dann vielleicht scheinheilig nennen, wenn er dem Protestanten Gauck seine noch bestehende zivilrechtliche Ehe vorhält – die übrigens auch kirchlich geschieden werden kann?

Herr Wulff  und seine zweite zivil angetraute Frau jedenfalls haben da ein ganz anderes Problem, denn selbst zum Zeitpunkt, als er noch Bundespräsident war, hatte er zwar im staatlichen Sektor Anspruch auf besondere Achtung, als Katholik jedoch keine besonderen Vorrechte – und damit das Problem wie alle geschiedenen Katholiken, die wieder geheiratet haben, nämlich nicht zum Empfang der Eucharistie zugelassen zu werden, so der Regensburger Bischof Müller (Klick).

„Wir Katholiken gehen von dem hohen Gut, ja, dem Geschenk der Unauflöslichkeit der Ehe aus“, sagte Müller. „Wir müssen pastoral jeden Einzelfall betrachten, aber wir können nicht generell und augenzwinkernd sagen: Wiederverheiratete Geschiedene können einfach zur heiligen Kommunion gehen, und dann ist alles in Ordnung.“

Da ist der Katholik Norbert Geis, aber so überhaupt nicht auf katholischer Linie, denn bei anderen wiederverheirateten Katholiken zeigt sich der Katholizismus durchaus weniger tolerant als Herr Geis in Bezug auf des Ex-Bundespräsidenten: (Klick). Wie konnte er da Herrn Wulff wählen und ohne Protest nicht nur im Amt ertragen, sondern auch noch seinen Rücktritt verhindern wolle? Insgesamt also ein schönes Beispiel von Doppelmoral, dass der Bayer hier an den Tag legt.

Weder Joachim Gauck noch Daniela Schadt haben bisher auf die Äußerungen von Geis reagiert. Und dies mit Recht, zumal für jeden Familienrechtler auf den ersten Blick erkennbar ist, warum Joachim Gauck seine Ehe mit der Mutter seiner vier Kinder aufrecht erhält: aus Versorgungsgründen, und das ehrt ihn nach meiner Auffassung durchaus.

Seine Frau Gerhold Gauck heiratete Joachim Gauck schon 1959, er selbst war während der Zeit des Bestehens der DDR als evangelisch-lutherischer Pastor und Leiter der regionalen Kirchenarbeit in Rostock tätig. Dabei handelte es sich um Aufgaben, die ihn nicht gerade zum Liebling der dort „herrschenden Arbeiterklasse“ gemacht haben dürften, weswegen die Arbeitsmöglichkeiten seiner Frau sicherlich eher eingeschränkt waren. Durch seine Tätigkeit als Volkskammerabgeordneter und Leiter der nach ihm benannten „Gauck-Behörde“ dürfte er aber eine respektable Alterssicherung erworben haben, und an der partizipiert nun seine seit 1991 von ihm getrennt lebende Frau durchaus umfänglicher aufgrund der weiterhin bestehenden Ehe als durch eine Scheidung. Da Gauck nach eigener Aussage und der seiner Frau mit dieser ein sehr gutes Verhältnis pflegt, macht es also gerade für Frau Gauck Sinn, weiterhin verheiratet – und versorgt zu sein. Da hätte allerdings der Katholik Geis auch von selbst drauf kommen können.

Übrigens dürfte dies alles für Frau Daniela Schadt kein Problem sein, denn sie ist nach dem Studium der Germanistik, Politik und französischen Literatur seit 1985 bei der „Nürnberger Zeitung“ und dort Ressortleiterin Innenpolitik. Sie ist kinderlos und durchgängig in durchaus leitender Position beschäftigt gewesen und dürfte deshalb im Vergleich zu einer Pastorengattin aus der ehemaligen DDR über eine angemessene Altersvorsorge verfügen.

Dementsprechend dürfte das Verhalten von Herrn Gauck und die Toleranz seiner Lebensgefährtin Schadt wohl tatsächlich als sehr ehrenhaft anzusehen sein. Herr Geis sollte dem zukünftigen Bundespräsidenten und unserer neuen „First Lady“ dafür Respekt entgegen bringen. Aber ob er diese menschliche Grösse zukünftig aufbringt? Wir werden sehen.

Ein kleiner Hinweis noch für Herrn Wulff: Millionen gläubige Christen in Deutschland leben aktiv ihren Glauben und scheren sich nicht um solche alten Zöpfe wie den der Nichtzulassung zur Eucharistie bei den Katholiken. Vielleicht sollten „Betty“ und er da mal ein klärendes Gespräch mit Herr Gauck führen: als „gelernter evangelisch-lutherischer Pastor wird er sie vielleicht auf den rechten Weg des Glaubens führen können – und es gibt bei den beiden in Zukunft weniger Gewissensbisse aufgrund ihrer Zweitheirat und der „Pralinenhochzeit“… – Letzteres ist übrigens kein bisschen abwertend gemeint, ist unser Sohn doch auch als „3-Monats-Frühchen“ ausgesprochen wohlgeraten und begeisterter Kirchgänger und Teilnehmer am Heiligen Abendmahl. Und wie war das noch mit der Sexualität vor der Ehe. Eigentlich haben wir Protestanten da es doch insgesamt ganz kommod…

Photo: www.pixelio.de