Bayern München: Triumph und Trauma liegen eng beinander

Posted on 20. Mai 2012

3


© Oliver Weber / pixelio.de

Sie haben mir gestern Abend richtig leid getan, die Spieler des FC Bayern München, die im Finale der Champions League 120 Minuten die haushoch überlegene Mannschaft waren – und jetzt in ihrem „Finale Dahoam“ nicht nur mit leeren Händen dastehen, sondern auch noch ein Trauma erlebt haben, welches für die Europameisterschaft Böses ahnen lässt; immerhin bilden die Spieler des deutschen Vizemeisters, der schon im 2. Jahr hintereinander ohne Titel bleibt, einen nicht unwichtigen Teil der deutschen Nationalmannschaft.

Nein, diese Truppe aus Chelsea, eine Mannschaft von Milliardärs Gnaden, die hatte den Titel wirklich nicht verdient. Das war ödester Angsthasenfussball, den die abgeliefert haben Aber wenn man in 120 Minuten Spielzeit die eine kleine Torchance nutzt, die sich einem fast zufällig bietet, dann ist das wohl „effektiv“ und wird hinterher trotz des Gekickes zum Weggucken gefeiert.

Die tragischen Helden des gestrigen Abends spielten allerdings auf Bayern-Seite, der Mannschaft, die modernen, schnellen, angriffslustigen und schönen Fussball zeigte, dem die müden Gestalten von der Insel eigentlich nichts entgegen zu setzen hatten: Arjen Robben, der erneut einen höchst wichtigen Elfmeter – dieses Mal in der Verlängerung – kläglich versemmelte, und Bastian Schweinsteiger, der diese Saison einfach nicht fit wird und trotzdem Verantwortung übernahm – vielleicht zu viel Verantwortung, denn letztendlich verschoss er den entscheidenden Elfmeter. Und so ist er dann weg, der Pott.

Nun hatten die Münchener also ihr „Finale dahoam“, und sie haben die Chance zu einem historischen Triumph, nämlich dem Gewinn der CL im eigenen Stadion, in ein veritables Trauma verwandelt: so, wie die Schalker für alle Zeiten die „Meister der Herzen“ bleiben, Leverkusen den Ruf des „Vizekusens“ nicht mehr los sind, so sind es jetzt die Bayern, die ihren wichtigsten Sieg in der Vereinsgeschichte liegen gelassen haben – und den Ruf bekommen, die Triumphe in der Königsklasse immer auf der Ziellinie zu verschenken.

Und es bleibt die Erkenntnis, dass sich mal wieder ein hässlicher Betonfussball durchgesetzt hat – eine Mannschaft, die schon im Halbfinale Grottenfussball zum Abgewöhnen gezeigt hat, holt den Titel: Otto Rehhagel lässt schön grüssen, und in Madrid und Barcelona wird man feststellen: schöner Fussball reicht auch der „Bestia negra“ nicht, in diesem Jahr gehen die besten 3 Teams in Europa ohne Finalsieg aus.

Ein spannender, aber letztendlich sehr trauriger Fussballabend!