Halbfinale Euro 2012 Portugal-Spanien: Boah, ist das öde!

Posted on 27. Juni 2012

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© Jan Richter / pixelio.de

Ich bin heute „mal eben“ mit dem Auto 330km nach Würzburg gefahren. Dann habe ich dort ein knapp einstündiges durchaus anregendes Gespräch mit einem Sozialrichter über das Wechselspiel zwischen Sicherheitsschuhen mit Einlagen und Einlagen für Sicherheitsschuhe geführt. Sodann habe ich mich ins Auto geschwungen und bin wieder 330km zurück gefahren.

So lange Strecken beruflich mit dem Auto fahren ist eigentlich ganz gegen meine Gewohnheit, da fahre ich eigentlich viel lieber mit dem ICE. Aber der Termin war erst um 15:30 Uhr, und heute ist ja Halbfinale der Euro 2012 zwischen Portugal und Spanien, da wollte ich rechtzeitig zuhause sein.

Ich hätte doch mit dem Zug fahren sollen, denn das war ja wohl eine absolut öde erste Halbzeit. Das Aufregendste war noch der Anlauf von Christiano „ich habe die Haare schön“ Ronaldo – wohlgemerkt, der gezirkelte Anlauf, nicht der Freistoss an sich.

Selbst die Zuschauer im Stadion schienen zwischenzeitlich eingeschlummert zu sein, so ruhig war es im Stadion. Aber ehrlich, wenn das das Männerfussball der Zukunft sein soll, der da die beiden Mannschaften von der iberischen Halbinsel abliefen, dann konvertiere ich zum Frauenfussball.

Selbst den Kommentatoren bei 11Freunde fällt zu diesem Kick nichts wirklich Grossartiges ein. Höhepunkt des dortigen Livetickers bisher:

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Ronaldo mit dem Sprint. Durchaus beeindruckend: Seine Beine werden dabei zur halbtransparenten, rotierenden Scheibe, wie beim Road Runner. Wenn er jetzt noch »Möp-Möp« macht, bin ich für Portugal.

(Klick)

Also, es kann in der zweiten Halbzeit nur besser werden – und ich verspreche, diesen Blogeintrag demnächst zu ergänzen – vielleicht noch heute Abend, wenn dies Spiel mich nicht endgültig einschläfert…

Erstes Update zur zweiten Halbzeit: die Zuschauer halten sich jetzt selbst wach und bespassen sich mit „La Ola“, der Welle – das Spiel kann die Begeisterung nicht ausgelöst haben… aber der türkische Schiedsrichter bringt wenigstens Farbe ins Spiel und verteilt wahllos Gelbe Karten hüben wie drüben. Brrr!

Zweites Update: CR7 (ich habe echt eine Zeit gebraucht, bis ich diese sinnfreie Abkürzung verstanden habe, jetzt sind Sie dran) übt wieder John Wayne für Kreisklassenspieler – und zimmert den Ball knapp übers Tor; das ist mir jetzt 5,00 EUR ins virtuelle Phrasenschwein wert: „Dem Spiel würde ein Tor (für Portugal) gut tun!“ – ein Tor für Spanien, und die spielen die restlichen 15 Minuten Gammeleck…

Drittes Update: ist nämlich jetzt das dritte Mal John Wayne reloaded – wenn ich mich berzählt habe, war zwischendurch eingenickt. Es scheint sich aber nichts geändert zu haben – Spielstand konstant und der Schiedsrichter verteilt immer noch Fleisskärtchen in Gelb…

Viertes Update: nun ist Verlängerung – „reiner Abnützungskampf“ nennt das Ollie Kahn; war es das nicht schon erschreckende 90 Minuten lang? Derzeit überlege ich, ob ich nicht einfach ins Bett gehe, das Ergebnis steht ja morgen in der Zeitung, und den Spielbericht braucht man da nicht lesen.

Fünftes Update: Juchhu, ein neues Spielsystem: jetzt ist es nicht mehr Tiki-Taka, sondern flippern – wer mehr als zwei Ballkontakte hintereinander hat, wird vom Schiedsrichter mit einer gelben Karte belohnt.

Sechstes Update: morgen steht wieder in der Zeitung: die Mannschaften neutralisierten sich – dabei neutralisierten die Mannschaften nur jegliches Zuschauerinteresse… der Reporter ist jetzt beim Boxen angekommen, so nach dem Motto: angeschlagene Boxer, lucky punch! Wenn es doch wenigstens Boxen wäre…

Siebtes Update: nun doch eine Grosschance für Spanien – das hätte uns fast um das Elfmeterschiessen gebracht. So also noch 16 Minuten… ich habe das Gefühl, Portugal ist platt.

Achtes Update: nächste Riesenchance für Spanien. Was ist die Steigerung von Platt? Das sind jedenfalls die Portugiesen. Aber wenn die Spanier nicht noch eine Bude machen, dann könnte sich das im Elfmeterschiessen rächen (Pling, die nächsten 5,00 EUR). Ich bin übrigens auch platt – langweiliger Fussball nach sechs Stunden Autobahn macht müde um die Augen. Übrigens wüsste ich gerne mal, warum die Spanier den Schiedsrichter  nicht anschauen, wenn sie eine der gefühlten 200 gelben Karten bekommen… inzwischen schlagen sie auch die Ecken hoch in den Strafraum – sieht nach purer Verzweiflung aus.

Neuntes Update: das wäre irgendwie typisch, wenn die Spanier jetzt ein Tor schiessen würden: damit würden sie mir genauso den Spass am Elfmeterschiessen verderben wie sie mir mit ihrem Tiki-Taka-Gesemmel den Spass am Fussball austreiben. Und die Spanier sind inzwischen – total platt… aber nun ist Schluss, jetzt also Elfmeterschiessen, immerhin das volle Programm! Morgen hätte ich gerne einen Sieg der deutschen Nationalmannschaft in geruhsamen 90 Minuten.

Zehntes Update: And the winner is: Spanien! Mist!

Und CR7 musste gar nicht mehr schiessen…

Für mich ist jetzt Schluss – mit der Gewissheit, dass sich weder Italien noch Deutschland im Finale vor diesem Gegner fürchten müssen.

Der Gerichtstermin verlief übrigens auch ergebnistechnisch suboptimal: so nett das Gespräch mit dem Richter war, es wurde immer wieder von einem zickigen Mitarbeiter der Bundesanstalt für Arbeit unterbrochen… und so gibt es nun einen Kammertermin im September; da fahre ich aber mit der Bahn!

Photo: www.pixelio.de