Samsung Galaxy Tab 2 10.1: Kein iPad, aber ein Tablet zum Verlieben!

Posted on 16. Juli 2012

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© Stefan Scherer

Eines vorweg für einen besonders liebenswerten Kollegen: ich werde im folgenden Blogeintrag ein paar Unternehmen und deren Produkte erwähnen – und dafür habe ich von niemandem einen wirtschaftlichen Vorteil erhalten!

Aber sicherlich interessiert es den einen oder anderen Leser, was ich von diesen Produkten halte, die ich hier vorstelle.

Und noch Eines: Ja, ich weiss, vor einigen Monaten habe ich schon ein paar Berichte geschrieben über mein vorhergehendes Tablet: ein Amazon Kindle Fire .

Dies Tablet habe ich jetzt verkauft, weil es zwar ein hervorragendes Gerät ist für den Medienkonsum (Musik, Video, Zeitungsartikel, Spiele) ist, aber ich es doch aufgrund seiner Grösse von nur 7 Zoll nicht besonders gut benutzen kann, wenn es sich um ein darüber hinausgehende Aufgaben handelt – dafür ist der Bildschirm dann doch ein bisschen zu klein, jedenfalls dann, wenn man(n) normalgrosse Hände und Finger hat: tippen ist da nicht so wirklich einfach…

Aber ein Tablet an sich ist schon fein, zuhause auf dem Sofa, unterwegs in „Bus und Bahn“ und tatsächlich auch in der einen oder anderen Verhandlung vor Gericht, wenn man rechnen muss, wenn ein Liste benötigt wie zB. die Düsseldorfer Tabelle – oder wenn man mal eine Akte vergessen hat, wie mir dies vor kurzem passiert ist , und man sich diese dann digital schicken lässt.

Und so kam dann bei mir der Wunsch auf: ich hatte gerne ein grösseres Tablet .

Vergleich iPhone – Samsung Galaxy Tab 2
© Stefan Scherer

Dabei dachte  ich natürlich zunächst an ein iPad – und war ein wenig geschockt, als ich gerechnet habe, was mich ein solches kosten würde bei den Spezifikationen, die ihr gerne hätte: eine vernünftige Speichergrösse und UMTS . Trotzdem habe ich mir das Gerät von Apple sehr genau angesehen, allerdings in einem Geschäft, in dem auch andere Tablets angeschaut und ausprobiert werden konnten, schliesslich wollte ich schon mal einen kleinen Vergleich ziehen können zu den Mitbewerbern.

Und als ich mir diese Mitbewerber so ansah, fiel mir direkt auf, warum Apple derart heftig gegen Samsung und seine „Galaxy Tabs“ in den rechtlichen Streit zieht – äusserlich ist die Ähnlichkeit zwar längst nicht so gross, wie Apple behauptet – aber vom Styling steht das neue „Galaxy Tab 2 10.1“ dem iPad nicht wirklich nach.

Spiegelung bei Blitzlicht mit Folie
© Stefan Scherer

Spiegelung ohne Blitzlicht mit Folie
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Ja, ich weiss, das Display des iPad… es ist hervorragend, da gibt es überhaupt keine Abstriche zu machen, und es ist besser als das Display des Galaxy. Aber in meinen Augen wirkt dieser Vorteil  nur im direkten Vergleich, und das iPad spiegelt genau so stark wie das Samsung-Tablet.

Und da sind wir gleich bei meiner ersten Überlegung: nachdem ich schon das Spiegeln auf dem Amazon Fire gehasst habe, wollte ich nun dringend ein mattes Display – was es nach meiner Kenntnis werksseitig bei keinem Tablet gibt; und deswegen war von Anfang an klar, ich werde  ein neues Tablet mit einer Folie versehen – und damit jedem Gerät einen Teil der Brillanz seines Display nehmen.

Deswegen habe ich mir mal ein iPad mit Folie und ein Galaxy mit Folie angesehen – und schon war praktisch kein Unterschied mehr zu sehen.

© Stefan Scherer

Aber so sind wir schon direkt bei den Dingen, die ich unbedingt bei einem neuen Tablet haben wollte, und eben denjenigen, die mir nicht wichtig waren: in jedem Fall sollte mein neues Tablet 3G haben, es sollte mindestens die Displaygrösse des iPad besitzen und der Speicher sollte erweiterbar sein. Beim Betriebssystem hatte ich keine Präferenz für Apple, die Kameras waren mir ebenfalls nicht wichtig, denn warum sollte ich mit einem Tablet fotografieren?

Auf der anderen Seite waren Gewicht und Akkuleistung wieder Kriterien, die ichschon beachtet habe.

Nun, bei den für mich wichtigen Kriterien schlug sich das Samsung Galaxy Tab 2 10.1 ziemlich wacker gegen den unbestrittenen Markführer iPad:

  • Displaygrösse: 10.1 zu 9.7 Zoll
  • Gewicht: 583 zu 652 Gramm
  • Akkulaufzeit: 6,5 zu 10 Stunden
  • Speichererweiterung: Ja um mindestens 32Gb (wahrscheinlich sogar 64GB) zu Nein

Das Tablet mit Hülle
© Stefan Scherer

Geht man davon aus, dass die Akkulaufzeit durchaus von vielen Faktoren bestimmt wird, dann sprach Einiges für ein Galaxy Tab – und es gab am Ende zwei K.O-Kriterien gegen das iPad: zum einen der erhebliche Preisunterschied, zum anderen die fehlende Möglichkeit der Speichererweiterung.

Und so ist es dann bei mir ein Samsung Galaxy Tab 2 P5100 geworden; kurzfristig hatte ich noch mit dem Vorgängermodell geliebäugelt, aber auch dort fehlte die Möglichkeit der Speichererweiterung. Und der Preis von knapp 450,00 EUR über die Firma Redcoon war ein sehr gutes Angebot, fand ich.

Kurz nach dem ersten Einsatz habe ich dem Tablet eine Folie verpassen lassen: gemacht hat dies die Firma Nexave in Hannover, da ich bei Handys mit solchen Folierungen schon meine liebe Mühe hatte. Die Folie selbst ist eine EXIM UltraProtect, die völlig blasen- und einschlussfrei aufgebracht wurde. Das Display wird dadurch matt und wesentlich rauer, was aber die Nutzung nicht nennenswert beeinträchtigt. Es bilden sich allerdings praktisch keine Fingerspuren mehr auf dem Glas, gleichzeitig ist die Brillanz der Farben eingeschränkt. Dafür erweitert sich der Nutzungsvereich, denn bis auf strahlenden Sonnenschein kann ich das Tablet jetzt auch draussen nutzen – oder eben direkt am Fenster wie zB. in der Bahn, auch eine Deckenbeleuchtung ist kaum noch störend – übrigens ein Problem, welches am am Anfang gar nicht so „auf dem Schirm“ hat, weil man vergisst, dass ein Tablet eben kein Notebook ist und deswegen der Bildschirm nicht senkrecht steht.

Die Kosten für die Folierung waren nicht ganz unerheblich: die Folie selbst lag bei 18,00 EUR, das Aufbringen bei 15,00 EUR, man bekommt allerdings einen speziellen Reiniger dazu, der allein für 15,00 EUR verkauft wird. Ich dachte erst, dies sei für die Flasche EXIM ScreenCleanZ sehr teuer, allerdings ist die Flüssigkeit wirklich hervorragend: ich habe inzwischen die Displays diverser Geräte damit gereinigt und ein Ergebnis erreicht, was ich vorher mit keiner anderen Reinigungsflüssigkeit geschafft habe. Insgesamt waren es 33,00 EUR für eine sehr professionelle Arbeit.

© Stefan Scherer

Zur Speichererweiterung habe ich mir eine SanDisk microSD mit 32GB Speicherkapazität gekauft, die deutlich unter 20,00 EUR gekostet hat; im Vergleich: Apple nimmt für die Erweiterung des Speichers im iPad um 32 GB immerhin 100,00 EUR, und dabei kann dieser Speicher noch nicht einmal schnell getauscht werden. Tatsächlich soll im Galaxy Tab 2 sogar eine 64GB-Karte funktionieren, wird auf Amazon berichtet. Dies würde dann zu einem Gesamtspeicher von immerhin 80GB führen – Notebook-Grösse!

Ebenfalls bestellt habe ich einen USB-Adapter, mit dem ich dann zB. Speichersticks direkt anschliessen und Daten überspielen kann – etwas, was das iPad nach meiner Kenntnis auch nicht kann.

Fehlt eigentlich nur noch eine Hülle, und da ist das Angebot noch nicht sehr gross. Ich habe eine recht ansprechende „Verpackung“ für mein Galaxy bei ebay gefunden. Damit sind alle Anschlüsse weiterhin erreichbar (mit Ausnahme des SD-Slots), die weisse Rückseite ist ok und hält das Tab sicher fest, die Hülle tut auf der Vorder- und Hinterseite das, was sie soll: das Tab schützen und einen vernünftigen Ständer zum Schreiben und Anschauen von Videos abgeben. Die Verarbeitung ist gut, wenn auch nicht perfekt. Problematisch ist, dass das Galaxy natürlich nicht die geniale Halterung und vor allen Dingen die kleinen Magneten des iPads hat, sodass der Displayschutz im geschlossenen Zustand lediglich lose aufliegt.

Deswegen hätte ich gerne noch eine zusätzliche Schutzhülle, die man fest verschliessen kann – etwas Passendes habe ich allerdings leider noch nicht gefunden.

Aber genug der Vorrede, jetzt zum Tablet selber: das Galaxy war fast vollständig geladen, als ich es bekam, sodass ich es sehr schnell in Betrieb nehmen konnte (zu diesem Zeitpunkt natürlich noch mit spiegelndem Display, wodurch mir sehr schnell klar wurde, dass ich eine Folie haben wollte); die Einrichtung war sehr leicht, da ich einen Google Account habe, genau so einfach war die Installation des Amazon AppStores, sodass ich direkt wieder Zugriff auf meine diversen Applikationen vom Amazon Fire hatte.

Die Sim-Karte wurde wie auch die SD-Karte auf Anhieb erkannt, leider habe ich bisher noch keinen Weg gefunden, die auf dem Galaxy installierte Telefon-Applikation abzustellen, deswegen „klingelt“ es immer zusammen mit dem Handy, da ich eine Twin-Karte nutze.

Das Android 4.0 stellt mich nicht vor Schwierigkeiten, denn es ähnelt dem Betriebssystem des iPhone sehr – und natürlich noch mehr demjenigen des Amazon Fire. Dessen Applikationen laufen auch problemlos, die angebotenen kleinen Zusatzprogramm, „Widgets“ genannt“, sind bei mir erst einmal vom Bildschirm verbannt – aber nur, weil ich deren Sinn noch nicht gefunden habe…

Das Galaxy Tab 2 läuft durchaus rund – wenn man die Performance wohl auch als nicht ganz so glatt empfinden wird wird wie beim iPhone oder iPad:  der Bildschirm springt trotz Folie sehr gut an, aber beim Scrollen durch die Seiten merkt man schon von Zeit zu Zeit ein winziges Ruckeln. Auf der anderen Seite sehr gut ist die Sracherkennung, die Tastatur und die Fehlerkorrektur – wobei insbesondere das Tippen auf dem Display sehr schnell und angenehm funktioniert. Man kann darauf sicherlich keine Romane verfassen, aber für die täglichen Mails und das ein oder andere kurze Schreiben reicht es allemal – anders als beim 7 Zoll grossen Fire.

© Stefan Scherer

Genauso reichen die sehr praktisch auf der Vorderseite angebrachten Lautsprecher, um die tägliche Arbeit mit Hintergrundmusik zu versüssen. Da ist Samsung von Apple zu einem Designwechsel genötigt worden, dass nicht nur optisches Gerät aufwertet, sondern auch noch praktische Vorzüge hat. Für das Betrachten von Filmen und dem „richtigen“ Hören von Musik empfiehlt sich natürlich ein Headset.

Positiv finde ich das Fehlen eines „Home-Buttons“. Da ich mein iPhone irgendwie ständig im Querformat nutze, befindet sich der dortige Knopf immer an der Seite, an dem ich ihn gerade nicht suche. Bei dem Tablet ist das anders, er ist immer unten links. Beim Samsung ist dies auch deswegen sehr praktisch, weil man die Hülle auch als Stütze beim Schreiben nutzen kann – und dann steht das Tab auf dem Kopf, was aber aufgrund des Fehlen eines solchen Buttons nicht störend ist – im Gegenteil, es hat sogar der Vorteil, dass ein eventueller USB-Adapter dann nicht unten, sondern oben angeschlossen werden kann.

Beim iPhone mag es aufgrund des vergleichsweise winzigen Displays (auch, wenn man das recht veraltete iPhone in Beziehung setzt zB. zu den aktuellen Samsung Smartphones) sinnvoll sein, einen richtigen „Home-Button“ zu haben, beim iPad könnte sich aber nach meiner Ansicht Apple durchaus überlegen, diesen weg zu lassen.

Über das Display hatte ich ja schon einige Zeilen geschrieben: es ist beim Samsung-Gerät sicherlich sehr gut, aber nicht so gut wie beim iPad, mit einer entspiegelnden Folie empfinde ich keine Unterschiede mehr zwischen beiden Geräten. Das unterschiedliche Format der Displays ist sicherlich Geschmacksache, bei Filmen bietet das Galaxy keine nennenswerten Vorteile, aber durch die grössere Breite nutzt man es überwiegend im Querformat, und mir jedenfalls kommt dies entgegen. Dies ist allerdings ein rein subjektiver Gefühl von mir.

Insgesamt ist mein erster und ganz persönlicher Eindruck vom Samsung Galaxy Tab 2 10.1 durchaus sehr positiv (wenn auch die Überschrift des heutigen Eintrages ein bisschen reisserisch ist, zugegeben): das Gerät ist ein grundsolides, sehr gut verarbeitetes und prima funktionierendes Tablet zu einem sehr günstigen Preis, welches in der Summe für mich ein deutlich besseres Angebot darstellt als das iPad. Wer sich also für ein Tab interessiert und nicht mit Apple verheiratet ist, der sollte es sich durchaus mal ansehen.

Update: Inzwischen habe ich auch den USB-Adapter getestet – und er funktioniert einwandfrei: ein USB-Stick wird automatisch erkannt und die Daten können problemlos kopiert werden. Ich brauche also zum Übertragen das Tablet nicht mehr mit dem PC verbinden und auch die MicroSD entnehmen – was aufgrund der „Grösse“ der Karte ziemlich fummelig war.

Eine prima Lösung für 5,00 EUR.

Photos: Stefan Scherer