iPhone 5: vom tatsächlichen und gefühlten technischen Fortschritt

Posted on 24. September 2012

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© Stefan Scherer

Tatsächlich habe ich ein iPhone, und sogar ein „4S“ (Bitte nicht englisch aussprechen…).

Und ich bin sogar zufrieden damit, genau so zufrieden, wie ich mit dem iPhone 4 und dem iPhone 3 war.

Allerdings bin ich nicht so einseitig positiv zu Apple eingestellt wie offensichtlich diejenigen 2 Millionen Menschen, die das iPhone 5 blind erworben haben; und schon garnicht so verblendet, dass ich unbedingt das neue iPhone 5 am ersten Tag haben muss. Bei den Verwirrten, die tagelang vor den Apple-Stores campierten, um das neue Smartphone als Erste kaufen zu „dürfen“, war jedenfalls massives Fremdschämen angesagt..

Und weil ich nicht so durchgehend positiv zu dem amerikanischen Unternehmen stehe, schaue ich mir deren Konkurrenz schon sehr genau an, bevor ich etwas kaufe. Bzgl. des iPads fiel meine Entscheidung ja schon gegen das Gerät aus Cupertino (obwohl, sind es überhaupt Geräte aus den USA? Wohl eher nicht…): ich habe über mein Samsung Galaxy Tab 2 10.1 schon einige Artikel geschrieben, z.B. diesen hier:

Samsung Galaxy Tab 2 10.1: Kein iPad, aber ein Tablet zum Verlieben! « Rechtsanwaltssozietät Scherer & Körbes.

Und ich bin auch weiterhin sehr zufrieden mit dem Tablet, dass eben kein iPad ist..

Und da mein Vertrag bei der Telekom mal wieder zur Verlängerung ansteht, vergleiche ich derzeit das das iPhone 5 mit dem Samsung Galaxy S III und dem Galaxy Note II – und dabei ist für mich die Entscheidung schon gefallen, denn mir gefällt zum einen Android sehr gut, und zum anderen finde ich den riesigen Bildschirm des Note II einfach genial. Doch das wird sicherlich ein anderer Eintrag werden, und da werde ich sicherlich auch etwas dazu schreiben, dass ich es eine riesige Frechheit finde, dass mir Apple mit seiner neuen Softwareversion iOS 6 einfach zwei Applikationen vom Gerät gelöscht hat, die ich mal mit dem iPhone zusammen erworben und die ich in der Vergangenheit sehr, sehr gerne genutzt habe: YouTube und Google Maps. Und jetzt komme mir bitte niemand damit, dass die ja kostenlos waren – die Telefonapplikation ist ja auch kostenlos…

In den letzten Tagen hat mich aber etwas ganz Anderes amüsiert im Streit zwischen Apple und Samsung um die Vorherrschaft auf dem Markt der Smartphones: die Internetdiskussionen über die angeblich höhere Wertigkeit des iPhone 5.

Da war zunächst der Hype zwischen dem vermeintlich so hochwertigen Aluminium, aus dem die Rückseite des neuen iPhone 5 besteht. Diese Wertigkeit wurde immer in Bezug gesetzt zum angeblichen „Plaste“, aus dem die Geräte von Samsung bestehen. Nun, dabei übersehen viele derjenigen, dass es sich bei dem Material zB. des S III nicht einfach nur um „Plaste“ handelt, sondern um Polycarbonat, einen sehr hochwertigen Kunststoff, der neben seiner hervorragenden Formbarkeit und Festigkeit auch noch den Vorteil hat, durchgefärbt zu sein – und der auch beim in meinen Augen schönsten und wertigsten iPhone, nämlich dem „3“, verwandt wurde. Dort nannte man ihn allerdings im Lager der Apple-Fanboys nicht „Plaste“, sondern „Kunststoff“ – und man feierte es als „amazing“, dass die Rückseite nun aus diesem Kunststoff gefertigt sei und nicht mehr aus Aluminium wie noch beim ersten iPhone…

Apropos Kunststoff: angeblich besteht das iPhone 5 ja nur aus Glas und Metall – aber bei näherem Hinschauen und Anfassen bleibt da nicht wirklich viel von übrig. Da wäre zunächst mal die Vorderseite (schon des 4, bei dem es dann auch die Rückseite betrifft): ein kleines Klopfen auf das Display ergibt erhebliche Zweifel daran, dass es sich dabei um „Glas“ im klassischen Sinne handelt. Tatsächlich handelt es sich um speziell hergestelltes „Gorilla-Glas“ und damit um genau dasselbe Material, dass auch Samsung als Display im S III und im Note verwendet. Aber Glas im eigentlich Sinne ist es von der Haptik für mich nicht.

Bei der Rückseite allerdings haben wir nun tatsächlich einen grossen Unterschied: Polycarbonat gegen Aluminium – aber halt, da sind doch oben und unten noch zwei Streifen am iPhone 5, und die sind aus: Kunststoff, denn ansonsten würden die diversen Antennen des Geräts nicht funktionieren.

Aber immerhin, in der Mitte, da haben wir das für die „Wertigkeit“ so wichtige Stück Metall, und am Rand hin zum Display, da haben wir es auch. Nur ist es eben kein Edelstahl, wie der Rand des iPhone 4, sondern es ist Aluminium – und dabei handelt es sich nun einmal um ein sehr weiches Material, welches zudem nicht durchgefärbt werden kann. Im Ergebnis: es sieht am Anfang gut aus, aber es ist sehr kratzempfindlich, und bei Kratzern sieht das auf dem schwarzen iPhone 5 äusserst unschön aus, weil dann das helle Aluminium durchschimmert. Tatsächlich ist darum schon eine heftige Diskussion im Internet entbrannt, die auch schon ihren eigenen Namen trägt: „Scuffgate“. Demnächst wird es also eine Menge iPhone 5 Besitzer mit ziemlich zerkratzten Geräten geben…

Oder aber sie machen das, was sowieso gefühlte 95% aller Nutzer eines modernen Smartphones tun: sie stecken die teuren Geräte in irgendeine Schutzhülle, um Beschädigungen zu verhindern. Und woraus bestehen ebenfalls gefühlte 95% dieser Hüllen? Genau, aus „Plaste“…

Und genau das hat mich eben dann doch schon amüsiert: da macht man sich im Apple-Lager lustig über die angeblich so minderwertigen „Plastikbomber“ aus dem Hause Samsung – und steckt dann sein ach so wertiges, aber leider ausgesprochen kratzempfindliches iPhone 5 direkt in eine Plastikhülle – oder gibt sogar noch den tollen Tip, man könne doch eine Folie auf die Rückseite kleben…

Eine Ersatzrückseite für das S III kostet übrigens 19,90 EUR – und Kratzer fallen dort schon allein deswegen nicht so auf, weil Polycarbonat eben durchgefärbt ist… stellt sich also doch die Frage, was der bessere Werkstoff für die äussere Hülle eines Smartphones ist? Meine iPhones jedenfalls wanderten bisher immer brav in eine Hülle oder einen Bumper, und das wird auch zukünftig bei einem Android-Smartphone so sein.

Übrigens scheint so mancher zu vergessen, dass ein Smartphone in erster Linie eine technische Spielerei ist, von der das eigene Leben nicht abhängt – und welches nach seiner Nutzbarkeit und nicht seinem Aussehen beurteilt werden sollte. Und da ist es wohl eher Geschmackssache, ob einem iOS oder Android (oder was sich sonst noch auf dem Markt tummelt) besser gefällt. Bei mir ist es inzwischen eindeutig Android. Aber natürlich kann man das auch anders sehen.

Photo: Stefan Scherer

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