Jesus ist das Brot des Lebens – Predigt zum Sonntag Lätare (10.03.2013)

Posted on 11. März 2013

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© Rainer Sturm / pixelio.de

© Rainer Sturm / pixelio.de

Liebe Gemeinde,

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus.

Lassen wir uns von Gottes Geist erfüllen und bewegen und hören den Predigttext für den heutigen Sonntag aus dem Johannes Evangelium im 6. Kapitel:

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben. Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe.

Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.

Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.“

Der Herr segne an uns SEIN Wort! Amen!

Mein Sohn Maximilian erfuhr vor kurzem in der Schule im Rahmen eines Projekts rund um gesunde Ernährung, dass mehr als 2/3 der Grundschüler in Deutschland entweder ohne Frühstück oder aber mit Süssigkeiten und Schokoriegeln anstatt eines gesunden Frühstücksbroteszur Schule kommen.

Nun, wer isst nicht gerne Schokoriegel? Also, wenn ich ehrlich bin: so ein versüßter Arbeitstag ist für mich schon sehr verlockend. Schnell ein bisschen Süssigkeiten in sich hinein gestopft, wie herrlich sind da die aufkommenden Glücksgefühle. Ob ich da als Alternative wirklich ein gesundes Vollkornbrot essen möchte?

Aber auf den zweiten Blick: jeden Tag Süssigkeiten als erste Hauptmahlzeit des Tages? Immer morgens nur schnell einen Donut auf die Hand und einen Kaffee to go im Stehen? Mittags schnell einen Burger bei McDonalds? Abends Tiefkühlpizza? Und zwischendurch immer mal eine Süssigkeit?

Viele Menschen auf der Welt ernähren sich ja so, zB. gibt es in sehr vielen amerikanischen Haushalten gar keine Küche mehr. Aber wenn ich so essen würde, das käme mir bald zu den Ohren heraus! Und zum Zahnarzt müsste ich wohl auch bald! Wenn man also ein bisschen darüber nachdenkt: eigentlich ist die schnelle Befriedigung eines körperlichen Bedürfnisses ohne Nachhaltigkeit ganz schön daneben, oder?

Aber machen wir uns nichts vor, auf dem Weg dorthin sind wir längst: Statistisch gesehen ist Brot als Grundnahrungsmittel schon längst out. Nach aktuellen Zahlen lag um 1800 herum der pro Kopf Verbrauch von Brot bei 300 kg, heute isst eine Person pro Jahr durchschnittlich nur noch 80 kg. Brot ist längst nicht mehr Grundnahrungsmittel, unser tägliches Brot ist an vielen Stellen verdrängt worden durch Zuckerzeug, Tiefkühlnahrung und Fastfood.

Und da sagt unser heutiger Predigttext: Jesus ist das Brot des Lebens!

Martin Luther hat das damit gemeinte „Täglich Brot“ einmal sehr plastisch beschrieben: Jesus als Brot des Lebens sei „Alles, was not tut für Leib und Leben!“

Jesus als Brot des Lebens ist also Alles, was wir Lebensnotwendig brauchen, nicht nur für den Körper, sondern auch für Geist und Seele.

Aber ist Jesus Christus wirklich noch das allumfassende Grundnahrungsmittel für uns neben vielem anderen, was wir inzwischen als vermeintliche Grundbedürfnisse sozusagen „vergöttern“: z.B. unsere selbstbestimmte Freizeit, Gesundheit, Wohlstand, ein Beruf, der Spaß macht, das neueste iPhone, angekündigt von dem inzwischen verstorbenen „iGod Steve Jobs“? Steht Jesus mit diesem und vielem anderen in Konkurrenz? Jesus das Vollkornbrot für Körper, Geist und Seele im Wettstreit mit dem geistigen Fastfood der modernen Spassgesellschaft?

Jesus selbst wurde damals vor über 2000 Jahren schon genau zu dieser Frage in ein langes Gespräch verwickelt. Er hatte ja vor seinen Worten 5000 Menschen mit 5 Broten und 2 Fischen satt gemacht, und die hielten ihn nun für den Propheten, der in die Welt kommen sollte.

Jesus aber merkte schnell, dass sie ihn nur zu einer Art „Brotkönig“ machen wollten, zu demjenigen, der ihr Bedürfnis nach Essen und Trinken täglich stillen sollte, ohne dass sie sich dafür anstrengen müssten. Und das war nun nicht sein Ziel, deshalb entzog er sich ihnen, er ging allein auf einen Berg und betete.

Aber am nächsten Tag kamen die Leute wieder hinter ihm her. Nein, so schnell wollten sie den vermeintlichen König nun nicht gehen lassen, er sollte sie doch weiter bequem von Hunger und Durst befreien. Deswegen drängten sie ihn: „Gib uns einen Beweis für deine Bevollmächtigung! Lass uns ein eindeutiges Wunderzeichen sehen, damit wir dir glauben.  Unsere Vorfahren aßen das Manna in der Wüste. In den Heiligen Schriften heißt es von Mose: „Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen.“

Jesus aber entgegnete: „Amen, ich versichere euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Das wahre Brot Gottes ist das, das vom Himmel herabsteigt und der Welt das Leben gibt.“

„Herr“, sagten die Menschen da, „gib uns immer von diesem Brot!“ „Ich bin das Brot, das Leben schenkt“, sagte Jesus zu ihnen. „Wer zu mir kommt, wird nie mehr hungrig sein. Wer sich an mich hält, wird keinen Durst mehr haben. Aber ich habe es euch bereits gesagt: Obwohl ihr meine Taten gesehen habt, schenkt ihr mir keinen Glauben.“

So haben die Leute das damals erlebt: da macht Jesus aus 5 Broten und 2 Fischen Speise für alle und erinnert sie damit an die Geschichten ihrer Vorfahren, und sie denken: „Jesus muss der wieder gekommene Mose sein, der an dieses Wunder anknüpft.“

Aber Jesus entzieht sich ihren Erwartungen. Denn das Brot ist für ihn nur ein Zeichen, ein Zeichen für die göttliche Wirklichkeit. Das eigentliche Wunder ist, dass sich Gott uns Menschen zuwendet. Er geht auf unsere Bedürfnisse ein. Wenn wir Hunger haben, gibt er Brot, wenn wir Durst haben, gibt er Wasser. Doch viel wichtiger ist: Gott wendet sich uns Menschen zu – das Brot gibt den Blick frei auf den Geber aller Gaben. Und daraus wächst nicht nur das Gefühl der Sättigung, sondern auch tiefe Dankbarkeit und Ermutigung, das Leben mit Gott zu wagen.

Schon damals haben das nicht alle Leute verstanden. Vielen war es eben nur wichtig, täglich ihr Brot zu bekommen – der Geber des Brots war ihnen egal! Sie verstanden Jesus als eine Art Brotautomaten? Glaube an Jesus rein, Brot raus!

Und daran hat sich nicht viel geändert: wir haben Hunger und gehen selbstverständlich zum Bäcker. Wir haben ein überzogenes Konto und leben vom Dispokredit. Wir fühlen uns elend und essen Tabletten. Wir suchen Liebe und wollen alles von einem Partner, was wir uns ersehnen.

Deswegen würden auch wir auf einen „Brotkönig“ hereinfallen und ihn umjubeln, wenn er uns nur Kredit ohne Zinsen, Tabletten ohne Nebenwirkungen, den Liebhaber für immer oder die Schokoriegel ohne Kaubeschwerden und Übergewicht geben würde. Dann wären wir Leute von heute auch schnell Königs Jesus, der alle Bedürfnisse tagtäglich befriedigt – und damit auch schon seine Schuldigkeit getan hat.

Doch Jesus möchte nicht so ein König sein, er verkündet uns keine kurze Bedürfnisbefriedigung. Er möchte nicht nur Almosen verteilen, sondern sich selbst mitteilen. Hinter all dem, was wir tagtäglich empfangen, sollen wir Jesus sehen und ihm dabei vertrauen.

Und dazu bringt er nichts mit, was unser Leben schöner und bequemermacht. Denn er möchte uns eine völlig neue Ausrichtung geben. Er lebt in uns und er verändert uns. Was er uns gibt, hat erste Priorität vor allen anderen Lebensmitteln, oder besser: allen Mitteln zum Leben. Er ist die Grundlage, auf der alles andere aufbaut.

Aber einfach und leicht geht es dabei nicht zu, da ist nichts mit dem schnellen Kick beim „Glauben to go“: Jesu Anspruch ist manchmal schwer verdaulich und liegt uns quer im Magen. Doch dann müssen wir uns eben durchbeißen, uns verändern lassen und bereit werden, ihm noch viel mehr Raum in unserem Alltag zu geben.

Denn wir sind alle schon stark auf den schnellen Konsum ausgerichtet:

Braucht man schnell mal was für die Seele, dann rasch die Losung des Tages aufgeschlagen oder an den Text der Konfirmation oder Trauung gedacht.

Und wie war das mit dem Anruf am Heiligen Abend bei mir: „Sagen Sie mal, Herr Kirchenvorsteher, wann sind denn heute abend ihre Vorstellungen in der Kirche?“ Die frohe Botschaft als Besinnnungsveranstaltung irgendwo zwischen Festtagseinkauf und Geschenkeverteilen, sozusagen ein bisschen Wellness für die Seele in homöopathischer Dosis, nicht mehr als 45 Minuten und bitte nicht mit zu viel kirchlichem Ornat verziert.

Und bei mir selbst? Da gönne ich mir mal wirklich eine Stunde Auszeit, um über Jesus als Brot des Lebens nachzudenken, aber kaum klingelt am Schreibtisch das Telefon, schon gehe ich ran – und sofort hat mich der Alltag wieder eingeholt und nichts war es mit der Stunde für Gott Wort, für Jesus und für mich.

Ja, Jesus will Raum haben zum Hören und Erkennen, zum Ausprobieren und neu Anfangen. Viel Segen liegt da auf einer Lebenshaltung, die Jesus diesen Raum zum Wirken gibt. Viel Segen liegt auf jedem Tag, an dem die Freude über Alles im Leben Jesus Raum gibt, sich in uns zu entfalten. Vollkornbrot will schließlich auch gut gekaut werden.

Jesus ist unser Lebensmotor, er ist überlebensnotwendig, er ist ewigkeitsnotwendig. Alles was wir tun und lassen, geschieht im Zusammenhang mit ihm, geschieht durch ihn.

Und diese Botschaft von Jesus, dem Brot des Lebens, war zu allen Zeiten schwer verdaulich, – nicht nur heute im Zeitalter von Fastfood, Fun und Dauerparty. Jesus selbst verlor nach seiner Rede viele Anhänger. Sie gingen weg und ärgerten sich über ihn. Sie wollten gerne jeden Tag ihr Gutes von Jesus abholen, aber sich in ihre Privatsphäre nicht rein reden lassen. Sie wollten Jesus nicht als Dauerbewohner ihres Lebenshauses aufnehmen.

Aber viele blieben bei Jesus. Sie hatten bei ihm endlich gefunden, wonach sie suchten: Lebensgrundlage, Erfüllung, Orientierung – eben ihr Vollkornbrot für Körper, Geist und Seele.

Halten wir es mit denjenigen, die bei Jesus geblieben sind und so das Brot des Lebens gefunden haben. Sagen wir immer wieder neu Ja zu Jesus. Hinter Allem steht Jesus, das Lebensbrot, er wirbt um uns, er wirbt um unser Vertrauen, um einen festen Platz in unserem Leben. Geben wir ihm den Platz, damit er unser Leben bestimmt, unseren Alltag verändert, unsere Entscheidungen beeinflusst!

Jesus sagt: „Ich bin das Brot des Lebens, wer zu mir kommt, den wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, den wird nie mehr dürsten.“

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen!

Der Text ist eine Lektorenpredigt. Die ursprüngliche Predigt stammt von

Frau Pastorin Cornelia Trick
Evangelisch-methodistische Kirche Neuenhain/Ts.
Rother Weingartenweg 5
65812 Bad Soden
Telefon: +49 6196 29490
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