„Yes we can“ ist wohl doch nur was für Bob the builder….

Posted on 3. Juli 2013

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© Antje Delater  / pixelio.de

© Antje Delater / pixelio.de

Ich gebe es zu: auch ich war der Obamania verfallen, habe mir sogar T-Shirts dieses Heilsbringers bei unserem grossen Bruder USA bestellt.

Heute schäme ich mich schon ein bisschen für meine Naivität, denn im Grunde genommen hat sich nichts geändert: die Vereinigten Staaten führen weiterhin schmutzige Kriege, unterhalten völkerrechtswidrige Sondergefängnisse, überschwemmen die Welt mit Waffen und führen sich auf, als wenn ihnen dieser Planet allein gehören würde.

Und unsere Regierung: spielt mal wieder die Rittertruppe von der ganz, ganz traurigen Gestalt – und dies nicht zum ersten Mal, wenn es darum geht, die Machenschaften der Amerikaner aufzuklären.

Da wäre zunächst einmal die Wikileaks-Affäre: darf man wirklich jemanden durch die ganze Welt hetzen, nur deswegen, weil er aufklärt, dass sich ein Land nicht an das Völkerrecht (und ansonsten an keine Regeln) hält. Julian Assange wird gejagt wie ein Terrorist, Bradley Manning mit der Todesstrafe bedroht. Da ist nicht viel zu spüren von dem neuen „Yes we can“ in den Staaten, von einem neuen Aufbruch in eine demokratischere Zukunft.

Aber für unsere Politiker ist die USA und ihr „Rechtssystem“ immer noch ein Ort, an dem man Menschen ausliefern kann, die es gewagt haben, die Machenschaften der dortigen Behörden auszudecken. Und deswegen sitzt Edward Snowden weiterhin auf dem Flughafen in Moskau fest, obwohl sich insbesondere unsere Regierung tierisch darüber aufregt, dass sie von den Amerikanern ausspioniert worden sind.

Mit kommt das so vor, als wenn  ein Dieb darüber erbost ist, dass man ihm seine Diebstähle nachweist – und dann verlangt, dass derjenige, der ihm seine Diebstähle nachgewiesen hat, für diese Aufklärung an seiner Stelle eingesperrt wird. Und die deutsche Regierung macht den Eindruck, als wenn sie von den Bespitzeleien schon lange gewusst hat und nun durch möglichst schrilles Schreien ihr Wissen vertuschen will.

Insbesondere Edward Snowden hat nach allem, was ich bisher weiss, nichts Anderes getan, als eine riesengrosse Datensauerei öffentlich zu machen – eigentlich sollte ein offenes, demokratisches und rechtsstaatliches Land wie es die Bundesrepublik Deutschland sein will, einem solchen Mann sicheres Geleit und Respekt entgegenbringen.

Aber vielleicht verlange ich da zu viel, wenn es um den grossen Bruder USA geht. Und vielleicht muss ich froh sein, dass mein Land sich nicht auch noch an diese Posse beteiligt hat, bei der ein Immunität geniessender Staatschef zur Landung seiner Maschine gezwungen wurde.

Yes we can – aber nicht, wenn es um die Freiheit, die Demokratie und den Rechtsstaat geht.