Blutspende: 2x Piksen und danach ein leckeres Buffet

Posted on 1. August 2013

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© Rike  / pixelio.de

© Rike / pixelio.de

Als richtig harter Mann kann ich natürlich kein Blut sehen, und deswegen habe ich mich mit den fadenscheinigsten Argumenten vor dem Blutspenden gedrückt – bis gestern!

Eine Blutspende ist wichtig, aber leider gibt es inzwischen zu wenige, die dieser tatsächlich auch gesetzlich geregelten Verpflichtung nachkommen – und ich gehört bis gestern eben auch zu denjenigen, die zwar dann, wenn sie selbst Spenderblut benötigen, wie selbstverständlich davon ausgehen, dass solches vorhanden ist, aber selbst nicht bereit sind, sich der Blutspende zu unterziehen.

Gestern also habe ich mich überwunden: nach dem letzten Mandantengespräch habe ich mich zu unserer Grundschule aufgemacht in der Erwartung, dort in den späten Nachmittagsstunden so ziemlich allein zu sein. Aber weit gefehlt, eine ganze Reihe von anderen Spendern waren ebenfalls vor Ort,und so habe ich mich an der Station 1 erst einmal in die (noch kleine) Schlange eingereiht.

Ziemlich beeindruckt war ich, als ich hörte, dass der ältere Herr vor mir schon zum 99. Mal spendete – da ist man dann als Erstspender lieber still und schaut diesem wahrhaftig „alten Hasen“ zu, wie er souverän die einzelnen Stationen erledigt.

Mir jedenfalls wurde der Personalausweis abgenommen, die Daten wurden in den Computer eingegeben, dann wurde mir der Spenderbogen samt Fragenkatalog ausgehändigt.

Nach wenigen Minuten war ich so schon an Station 2 und füllte meinen Fragebogen aus. Nicht schwierig, konnte ich doch die Fragen nach Vorerkrankungen und Gesundheitsrisiken mit Nein beantworten.

Danach noch 2 Gläser Wasser (man soll viel trinken, hatte ich vorab im Internet gelesen) und dann zu Station 3, der im Nachhinein unangenhmsten Station: dort nämlich pikste (s.o. und s.u.) mich eine Dame in den Finger, um mit dem so gewonnenen Blutstropfen den Eisengehalt zu bestimmen: mit 15.1 und 36,8 Grad Körpertemperatur war ich zunächst mal spendertauglich und durfte mich an der (längeren) Schlange zur ärztlichen Untersuchung anstellen.

Ich wurde jetzt tatsächlich ein bisschen nervös: das Stechen in die Fingerkuppe war tatsächlich unangenehm, und letztlich war das ja nur der Auftakt – dachte ich jedenfalls. Und so leerte ich nicht nur aufgrund der Hitze und der schlauen Ratschläge im Internet, sondern auch aufgrund des langsam bei mir einsetzenden trockenen Gefühls noch zwei Gläser Wasser.

Dann war ich beim Arzt dran: Blutdruckmessen (prima Werte) und Puls (ebenfalls prima), und schon war ich „tauglich geschrieben“; ich bekam allerdings mit auf den Weg, noch einen Becher Cola zu trinken, was ich pflichtschuldig erledigte.

Und dann wurde es – vermeintlich – ernst: ich bekam einen weiteren Fragebogen, mit dem ich angeben sollte, ob mein Blut auch als Blutspende entnommen werden sollte. Ohnen meine kleine Recherche im Internet vorab wäre ich da ein wenig verwirrt gewesen, aber die Erklärung für diese tatsächlich in einer kleinen Wahlkabine erklärte „Zweckbestimmung“ des Blutes erklärt sich ganz einfach: es handelt sich um eine anonyme Selbstkontrolle:

Jeder Spender muss anonym angeben, ob sein Blut wirklich zum Spenden verwendet werden kann, z. B. durch Ankreuzen auf einem Zettel oder Anbringen einesStrichcode-Aufklebers. Auch wenn er dies vor der Spende angegeben hat, wird ihm trotzdem Blut abgenommen. Zum Beispiel kommt es vor, dass Gruppen (z. B. Pfadfinder) gemeinsam Blut spenden gehen. Wenn ein Spender einen Grund hat nicht zu spenden (z. B. weil er kürzlich riskanten Geschlechtsverkehr hatte), dies aber gegenüber anderen Gruppenmitgliedern nicht mitteilen möchte, dann kann er auf diese Weise anonym nach der Spende dafür sorgen, dass sein Blut nicht verwendet, d. h. nicht zur Bluttransfusion freigegeben wird. Mitunter ist noch eine Verwendung für wissenschaftliche Zwecke möglich.

Dieses Verfahren dient dem bestmöglichen Schutz der Empfänger von Blutspenden. Ein Dilemma zwischen dem Sicherheitsbedürfnis des Empfängers, welcher auch auf die Ehrlichkeit des Spenders angewiesen ist, und dem Vertraulichkeitsbedürfnis des Spenders soll so vermieden werden.

Natürlich sollte meines zum Spenden verwandt werden – deswegen kreuzte ich das an und erhielt ein Sortiment an Gerätschaften, die mir dann eine nette, junge Dame abnahm und mich zu einer Liege brachte. Während sie nett mir plauderte und mich für meine guten Werte und meinen Puls lobte (ihre Bemerkung, man merke mir meine sportlichen Ambitionen an, schmeichelten doch ganz ungemein), hatte ich schon, ohne es gross zu merken, die Nadel im Arm – und mein Blut lief in einen dezent ausserhalb meines Blickfeldes untergebrachten Beutel. Ehrlich, von diesem „Piks“ habe ich überhaupt nichts gemerkt, und die Blutentnahme selbst war ebenfalls völlig unproblemtisch und schmerzfrei.

Nach 10 Minuten war Alles vorbei – danach noch ein bisschen Ausruhen und dann ran an das leckere Buffet: lange habe ich Mettbrötchenhälften nicht mehr mit einem solchen Genuss und einem solchen guten Gewissen gegessen.

Nach insgesamt einer Stunde war Alles vorüber, und ich ging um 500ml Blut erleichtert aber mit einer Tafel bester Lindt-Schokolade beschenkt froh nach Hause.

Zusammenfassend: wenn ich harter Mann das Blutspenden schaffe, schafft das auch jeder Andere – und damit gibt es nach der Lektüre dieses Blogbeitrags für niemandem mehr eine Ausrede, nicht zum Blutspenden zu gehen.

PS: Ich habe nachgeschaut, es heisst tatsächlich „Piksen„…. jedenfalls leuchtet mir die dortige Begründung ein.

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